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GraphQL vs. REST - Warum wir nach mehreren Projekten weiterhin auf REST setzen

GraphQL wird oft als moderne Alternative zu REST gefeiert. Flexible Queries, weniger Over- und Underfetching, einheitliche Schnittstelle - alles klingt überzeugend.

Doch nach mehreren Testprojekten und realen Integrationen haben wir bei Tuemedia IT Solutions festgestellt:
Für viele Unternehmens- und Businessanwendungen ist REST nicht nur einfacher, sondern langfristig auch stabiler, besser wartbar und sicherer einzuschätzen.

In diesem Beitrag teilen wir unsere Erfahrungen: Wo GraphQL glänzt, wo es in der Praxis unerwartete Komplexität erzeugt - und warum wir REST in den meisten Fällen weiterhin bevorzugen.

Was GraphQL eigentlich attraktiv macht

Der Hype rund um GraphQL kommt nicht von ungefähr. Es gibt einige echte Vorteile:

  • Flexible Datenabfragen: Clients definieren nur die benötigten Felder.
  • Ein Endpunkt statt viele Routen
  • Starke Typisierung mit zuverlässiger Schema-Validierung
  • Introspection & Developer-Tooling wie GraphQL Playground

Und ja, in Szenarien mit hochgradig vernetzten Datenstrukturen kann GraphQL einen echten Mehrwert bieten - z. B. in Analytics-Tools, komplexen Dashboards oder Social-Network-APIs.

Aber: In der Praxis haben wir festgestellt, dass diese Vorteile oft nicht so durchschlagen, wie es auf dem Papier klingt.

Unsere Erfahrung: Wo GraphQL in Projekten an Grenzen stößt

Während unserer Tests und Proof-of-Concepts sind uns vor allem folgende Herausforderungen begegnet:

1. Mehr Komplexität im Backend

Server-Implementierungen werden spürbar aufwendiger - besonders in Python/Django- oder Node-Backend-Strukturen.
Was bei REST ein klarer Upload-Endpunkt wäre, wird bei GraphQL schnell zu:

  • Mutations mit eigenen Resolvern
  • Custom Scalars für Uploads
  • Zusätzliche Libraries wie graphql-upload

➡ Besonders bei File-Uploads war REST in allen Projekten deutlich einfacher und robuster.

2. Sicherheits- und Berechtigungslogik schwerer steuerbar

Eine der größten Überraschungen:
Die feingranulare Query-Kontrolle klingt mächtig, macht aber Access-Control komplexer.

Statt klarer, endpointbasierter Rechteprüfung mussten wir:

  • Felder- und Typ-basierte Berechtigungen prüfen
  • Resolver-Logik absichern
  • Introspection teilweise deaktivieren
  • Query Depth Limits konfigurieren

Kurz: Mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Angriffsflächen.

3. Overfetching verschwindet nicht automatisch

GraphQL wird oft als Lösung gegen Overfetching verkauft - aber in der Realität:

🚨 „Wir fetchen jetzt zwar gezielt Felder - aber oft mehr Relationen als nötig.“

Gerade Frontend-Teams erweitern Queries schnell, weil es so einfach ist.
Das Ergebnis: Riesige Query-Bodies, schwer nachvollziehbare Datenflüsse und teilweise sogar schlechtere Performance als mit REST.

4. Client-Code wird unerwartet komplex

Apollo, Relay & Co. bieten starke Features - aber:

  • Caching-Strategien schwierig nachvollziehbar
  • Mutations + Optimistic Updates = viel Magie
  • Entwickler müssen Datenfluss und Query-Herkunft ständig im Blick behalten

In größeren Teams entstand schnell ein Effekt, den wir intern „Daten-Nebel“ genannt haben:

❓ „Warum haben wir dieses Feld hier? Aus welcher Query kommt das? Wer invalidiert das?“
„Wieso ist das an dieser Stelle nicht aktualisiert, obwohl wir eine Mutation geschickt haben?“

Mit REST + klaren Endpunkten hatten wir diese Diskussionen weit weniger.

Wo GraphQL wirklich sinnvoll ist

Trotz unserer kritischen Erfahrungen bleibt GraphQL wertvoll - in den richtigen Kontexten:

✔ Datenstrukturen mit vielen Relationen
✔ Hohe Query-Flexibilität im Frontend (z. B. Builder-Tools oder BI-Use-Cases) Für klassische Businesssoftware (Zeiterfassung, Logistiksoftware, usw.) gilt jedoch:

REST ist oft schneller umgesetzt, klarer strukturiert und sicherer zu kontrollieren.

Fazit

Wir würden GraphQL nur dort einsetzen, wo es echte, messbare Vorteile bietet.
(z. B. stark relationale Datenmodelle oder flexible Analytics-Abfragen.)

Für die meisten Business-Anwendungen bleibt REST jedoch die pragmatischere Wahl:

  • Verständlicher & leichter zu onboarden
  • Stabiler & leichter abzusichern
  • Im Alltag besser wartbar
  • Oft sogar performanter als ein überflexibles GraphQL-Schema

Ausblick

Wir werden GraphQL weiter beobachten und gezielt einsetzen, wenn die Architektur es erfordert. Gleichzeitig setzen wir bei neuen Kundenprojekten im Standard weiterhin auf REST + klare API-Konventionen, ergänzt durch modernisierte Patterns wie:

  • Typed APIs via OpenAPI
  • Event-getriebene Erweiterungen via Webhooks/Streams